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Vererben – Einstieg und Orientierung

Warum die gesetzliche Erbfolge oft nicht passt, wie Du Deinen Nachlass planen kannst und was Ruheständler über Testament, Pflichtteil und EU-Erbrecht wissen sollten.

Selbstbestimmt vererben – nicht vom Gesetz bestimmt

Spätestens im Ruhestand ist die richtige Zeit, den Nachlass zu regeln. Denn die gesetzliche Erbfolge ist vom Familienbild von 1900 geprägt. Sie kennt im Wesentlichen nur Verwandtschaft und Ehe. Patchwork-Familien, unverheiratete Paare oder Stiefkinder berücksichtigt das Gesetz nur eingeschränkt oder gar nicht.

Selbst wenn Deine Familie dem gesetzlichen Leitbild entspricht, ist zum Beispiel bei einer selbstgenutzten Immobilie das Weiterwohnen des länger lebenden Partners nicht automatisch gesichert – es sei denn, er ist Alleinerbe.

Wer ohne Testament erbt, erklärt das Onlinemagazin Finanztip gut verständlich.

Plane Deinen Nachlass!

Eine gute Planung beginnt mit klaren Vorüberlegungen. Die folgenden 11 Schritte helfen, die eigenen Gedanken zu strukturieren.

1. Worin besteht mein Nachlass?

2. Was ist meine eigene Situation und die meiner Familie?

Verschaffe Dir einen Überblick über Deine familiäre Situation sowie Art und Umfang Deines Vermögens.

Welche Personen möchtest Du bei Deinem Nachlass bedenken?

Um welche Vermögenswerte geht es konkret – etwa Immobilien, Beteiligungen, Rechte (z. B. Urheberrechte), Geldvermögen oder persönliche Wertgegenstände?

3. Welche Ziele habe ich für meinen Nachlass?

Welche Personen kommen für welche meiner Vermögensteile in Betracht? Was von meinem Nachlass soll unbedingt bewahrt bleiben – zum Beispiel im Familienbesitz – und bei wem?

4. Wer soll Erbe werden?

Wer soll den Nachlass im Wesentlichen erhalten und bei meinem Tod in meine Rechte und Pflichten eintreten?

5. Wer soll ein Vermächtnis erhalten?

Wer soll zwar nicht Erbe werden, aber einen Geldbetrag, einen Gegenstand oder einen sonstigen Vermögensvorteil erhalten?

6. Will ich Zuwendungen mit Auflagen oder Bedingungen verbinden?

Soll ein Erbe oder Vermächtnis (nur) unter bestimmten Voraussetzungen erfolgen oder mit einer Verpflichtung verbunden sein – etwa den Erhalt einer besonderen Zuwendung, die Pflege einer Erinnerung oder eine bestimmte Verwendung eines Vermögenswerts?

7. Wie sichere ich meinen Partner ab?

Was muss geregelt werden, damit der Partner finanziell abgesichert ist und sein gewohntes Lebensumfeld behalten kann – besonders im Hinblick auf Hausrat und eine selbstgenutzte Immobilie?

8. Können gesetzliche Pflichtteilsansprüche entstehen?

Könnten Pflichtteilsansprüche von Kindern oder anderen nahen Angehörigen entstehen? Welche Auswirkungen hätte das auf die geplante Nachlassregelung?

9. Wie möchte ich den Nachlass unter mehreren Personen aufteilen?

Habe ich einzelnen Personen bereits zu Lebzeiten etwas zugewendet? Soll der Nachlass gleichmäßig aufgeteilt werden oder nach Bedarf oder Lebenssituation unterschiedlich?

Welche Gegenstände sollen nur bestimmten Personen zukommen?

10. Wie vermeide ich Konflikte, wie kann ich Anordnungen durchsetzen?

Klare und nachvollziehbare Regelungen helfen, spätere Streitigkeiten zu vermeiden. Ordne Vermögenswerte, die nur einzelne Erben erhalten sollen, eindeutig zu – z. B. durch eine Teilungsanordnung. Prüfe, ob zusätzliche Hinweise oder Erläuterungen sinnvoll sind.

Wenn durch Deine Verfügung eine Erbengemeinschaft entsteht – z. B. an einem einzelnen Gegenstand oder einer Immobilie – kannst Du darauf vertrauen, dass sie sich fair und konfliktarm auseinandersetzt? Oder wäre es z. B. sinnvoll, dafür einen Testamentsvollstrecker zu bestimmen?

11. Nicht vergessen – den digitalen Nachlass

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